Anzeige
Die Mannschaft der Woche des 19. Bundesliga-Spieltags

Wer am 19. Spieltag auffiel

Die Mannschaft der Woche des 19. Bundesliga-Spieltags

18 Vereine, neun Partien, mindestens 198 Spieler: Wer hat an diesem Bundesliga-Spieltag von sich reden gemacht? Wir sagen es Ihnen und stellen Ihnen die Elf der Woche vor. Das Schlusslicht schießt den Trainer des HSV ab, der Sohn einer Legende lässt aufhorchen und ein unverwechselbarer Bayer nimmt sich seinen Spieltag mit ins Bett.

Tor:

Timo Horn (1. FC Köln): Timo Horn kämpft an zwei Fronten: um das "Wunder", seinen Verein in der Bundesliga zu halten und um eine Teilnahme an der WM in Russland. Seine Tauglichkeit für große Turniere hat der 24-Jährige 2016 in Rio de Janeiro nachgewiesen, als nur ein gewisser Neymar verhinderte, dass Horn und dessen Kollegen mit Olympia-Gold um den Hals nach hause zurückkehrten. Seine Bundesligatauglichkeit steht schon länger nicht in Frage. Im ultimativen Keller-Duell in Hamburg weist sie Horn mit seinen Glanzparaden gegen André Hahn (1.) und Filip Kostic (12. und 41.) so beeindruckend nach, dass sein Glaube an die Rettung des dereinst abgehängten Schlusslichts der Liga mit den Händen greifbar wird: mit den Händen eines Torwarts. Den Rest erledigt weiter vorne Horns neuer Kollege Simon Terodde mit seinem Doppelpack.

Abwehr:

Marius Wolf (Eintracht Frankfurt): Marius Wolf rechts, Timothy Chandler links: So nimmt Eintracht Frankfurt Gastgeber VfL Wolfsburg in die Zange und letztlich mit 3:1 auf die Hörnern. Wolf wie Chandler verzeichnen drei Torschüsse, und Chandler sogar das Tor zum 2:0 - auf Vorlage von Wolf. Der frühere Hannoveraner hat bereits Sebastien Hallers sehenswertes 1:0 vorbereitet. Es ist einer von 17 Pässen Wolfs, die in den 90 Minuten einen Mitspieler finden. Wolf nimmt angesichts von 62 Ballkontakten (25 mehr als Chandler) deutlich intensiver am Aufbauspiel der Hessen teil als der schnelle Chandler. Trotzdem fallen beide im Rahmen des sechsten Auswärtssiegs der Frankfurter höchst angenehm auf.

Ömer Toprak (Borussia Dortmund): Ömer Topraks exzellente Abwehr- und Aufbauarbeit erhält Borussia Dortmund beim Gastspiel in Berlin bis zuletzt die Chancen, Gastgeber Hertha BSC zu besiegen. Beim 1:1 im Olympiastadion fällt Toprak nicht zuletzt wegen seiner beiden Torschüsse auf: nur BVB-Torschütze Shinji Kagawa feuert mehr ab, drei. Toprak versieht auch seine Kernaufgabe des Toreverhinderns auf höchstem Niveau. Der einstige Freiburger weist mit faszinierenden 93,33 Prozent die höchste Quote gewonnener Zweikämpfe aller Spieler auf. Nur Kagawa (104 Kontakte) ist öfter am Ball als Toprak (89). Gleiches gilt in Sachen Passsicherheit: Nur Kagawa bringt mehr Bälle zum Mann (76) als Toprak (65).

Robin Koch (SC Freiburg): Sein Papa Harry ist dank seines unermüdlichen und erfolgreichen Einsatzes für den 1. FC Kaiserslautern in den 90er Jahren seitdem eine Legende der Bundesliga. Robin ist in Freiburg auf dem besten Wege dazu. Zum zweiten Mal hintereinander trifft der 21-Jährige in der Bundesliga per Kopf. Zum zweiten Mal nacheinander sichert Koch seinem SC Punkte. Erst das 1:1 in Frankfurt, und beim hochemotionalen 2:1 über den Vizemeister aus Leipzig ist es gar der Treffer zum Sieg. "Das war eine besondere Woche", kommentierte der Glückspilz anschließend im Interview mit dem "kicker". "Letzten Samstag mein erstes Bundesligator, und nun nochmal einen draufgesetzt. Es war nochmal ein Stück schöner, zu Hause zu treffen, dann noch gegen Leipzig und der Siegtreffer." Ein Zustand, an den sich Koch leicht gewöhnen könnte. "Wenn du die Großen ärgern, oder sie sogar schlagen kannst, ist das als Fußballer natürlich etwas Besonderes."

Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach): Matthias Ginter hat Borussia Mönchengladbach im Sommer 2017 17 Millionen Euro gekostet. Auch für einen Weltmeister viel Geld. Denn Ginter ist von Haus aus "nur" Abwehrspieler. Aber einer mit ganz viel offensivem Geist und Qualität auch vor dem Tor des Gegners. In 69 Bundesligaspielen für Borussia Dortmund traf Ginter drei Mal. In Gladbach hat der in Freiburg gezogene Nationalspieler nach 19 Partien bereist vier Mal eingenetzt. Ginter ist aus der Elf der Fohlen nicht mehr wegzudenken. Sein Kopfballtor versetzt nach einem Eckball schon nach zehn Minuten dem schwer zu bespielenden FC Augsburg den ersten und - womöglich - entscheidenden Knacks. Bei Vorlagengeber Thorgan Hazard bedankt sich Ginter 80 Minuten später auf die bestmögliche Art und Weise: Ginter schickt den herausragend guten Belgier mit einem Pass auf die Reise. Hazard schließt den Konter erfolgreich ab. Gladbach gewinnt mit 2:0.

Mittelfeld:

Julian Baumgartlinger (Bayer 04 Leverkusen): Julian Baumgartlingers Beitrag zum Leverkusener Höhenflug geht angesichts der meist spektakuläreren Auftritte von Kollegen wie Kevin Volland, Julian Brandt, Leon Bailey oder auch Kai Havertz medial gerne unter. Beim unerwartet klaren 4:1 in Hoffenheim aber gewinnt bayerintern nur Volland (15) mehr Zweikämpfe als der fleißige und ballsichere Baumgartlinger, der nur vier seiner 48 Pässe nicht zum beabsichtigten Adressaten bringt. Nach dem Hackentor des abermals glänzenden Bailey zum 1:0 (43.), wartet Baumgartlinger zudem mit dem 2:0 und dem nächsten potenziellen "Tor des Monats" im Januar auf (52.). Unhaltbar schlägt das Volley-Geschoss des Österreichers im Eck des TSG-Tores ein. Es ist Baumgartlingers erster Treffer in der laufenden Saison und erst sein dritter im 156. Spiel im Oberhaus.

Marko Pjaca (FC Schalke 04): Startelf- und Heimdebüt in der Bundesliga für Schalkes Neuzugang aus Turin, Marko Pjaca, und der 22-jährige Kroate bringt die Arena mit seinem ersten Torschuss zum Beben: ein so genannter Einstand nach Maß. Das perfekte Glück aber zerstört 70 Minuten später mit seinem Treffer zum 1:1-Ausgleich und -Endstand ein Hannoveraner, der einen Lauf hat: Niclas Füllkrug. Alle Rückrundentore der 96er (vier) gehen auf das Konto des 24-Jährigen. Er spielt seine stärkste Bundesligasaison, hat nur in zwei der jüngsten sieben Vergleiche nicht getroffen. "Ich habe in der 80. Minute hochgeschaut und gesagt: Komm, da kann noch was gehen." Für Schalke und Pjaca geht anschließend nichts mehr. Pjaca hat schon in der 56. Minute für Breel Embolo Platz gemacht.

James Rodriguez (FC Bayern München): Er galt, als ihn die Bayern im Sommer 2017 aus Madrid ausliehen, als die größte sportliche Bedrohung für Thomas Müller. Und was macht James Rodriguez in der 84. Minute des Heimspiels gegen Werder Bremen? Der Kolumbianer lupft die Kugel butterweich in den Lauf von Müller, der die feine Kombination zu seinem 100. Bundesligator veredelt. Ein mühsamer Heimsieg über Werder Bremen ist perfekt. 4:2. Mit Rodriguez und Müller. Geht doch. James Rodriguez ermöglicht dem Ur-Bayern einen Doppelpack, bei dem dieser zuvor bereits Robert Lewandowski assistiert hat. James verdoppelt binnen zwei Spieltagen seine Anzahl an Vorlagen (jetzt sechs) und beweist, nunmehr als einer der offensiven Dreh- und Angelpunkte des Meisters an der Isar angekommen zu sein.

Angriff:

Yoshinori Muto (1. FSV Mainz 05): Am 29. August 2015, in seinem dritten Bundesligaspiel, traf Yoshinori Muto zuletzt doppelt in einem Mainzer Heimspiel. Es sind damals die ersten beiden Bundesligatore des Japaners. Am 20. Januar 2018, in seinem 54. Bundesligaspiel, wiederholt Muto dieses Kunststück. Er dreht in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit und in der neunten Minute der zweiten die Begegnung mit Aufsteiger VfB Stuttgart zu den Gunsten seiner Farben. In beiden Szenen erweist sich Muto als echter Torjäger: auf seine Chance lauernd und sie aufmerksam und gekonnt wahrnehmend. Trotzdem ist es nur ein Drittel seiner Torschüsse, die ihr Ziel finden. Niemand auf dem Platz schießt öfter auf das Gehäuse als der 27-Jährige. Er sprüht vor Einsatzfreude, führt 25 Zweikämpfe, von denen er jedoch nur neun gewinnt.

Simon Terodde (1. FC Köln): Simon Teroddes Traum-Rückkehr nach Köln setzt sich fort, und genau deswegen lebt in der Domstadt der Traum vom Klassenerhalt: Der aus Stuttgart zurück geholte Torjäger schießt mit seinem Doppelpack in Hamburg HSV-Coach Markus Gisdol aus dem Amt. Aus Teroddes Sicht viel wichtiger aber: Der Rückstand von Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Köln auf die Hanseaten schmilzt auf drei Punkte zusammen. Dank des Bremer 2:4 in München sind es für die Geißböcke plötzlich auch zum Relegationsplatz nur noch vier Zähler. Terodde hat in 180 Minuten bereits drei Mal geliefert und für sechs FC-Punkte gesorgt. Für seine beiden Tore im hohen Norden genügen ihm drei Schüsse, halb so viele wie André Hahn. Der Hamburger geht leer aus. FC-Keeper Timo Horn ist drei Mal häufiger am Ball als Terodde, weil der Gegner alles andere als untätig ist. Doch Effizienz ist eben nicht die Sache des HSV, sondern Teroddes. Der 29-Jährige krönt seinen 22. Bundesligaeinsatz mit seinem ersten Doppelpack.

Thomas Müller (FC Bayern München): 99, 100: Thomas Müller ist angekommen in einem exklusiven Kreis. Mit seinem Doppelpack gegen Werder Bremen - seinem ersten seit dem 1. April 2017 und einem 6:0 daheim im Derby gegen den FC Augsburg - rückt der Vorzeige-Bayer vom Ammersee an die Seite von Größen wie Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge, Roland Wohlfarth oder Dieter Hoeneß. Sie alle haben mindestens 100 Bundesligatore für den Rekordmeister vorzuweisen. Thomas Müllers 99. ist ein typisches für ihn: Im Rücken des ahnungslosen Bremer Verteidigers Milos Veljkovic schleicht sich Müller in der ihm eigenen Art in den Strafraum, um Jerome Boatengs Flanke gekonnt anzunehmen und zum unerwarteten 1:1 zu versenken. Bis zu dieser 41. Minute hat Werder alles im Griff und der Gastgeber noch keine Torchance. "Es ist immer schön, wenn man trifft", zitiert der "kicker" Müller anschließend. "Ich hatte die Marke heute nicht auf dem Schirm, aber es ist natürlich schön." Dass es so schön wird, liegt auch an einem, dessen Verpflichtung Müller nicht geschmeckt haben dürfte: James Rodriguez. Doch der Torschützenkönig der WM 2014 nimmt dem Torschützenkönig der WM 2010 nichts weg. Im Gegenteil. Rodriguez' exakt getimter Heber hinter die Bremer Abwehr kommt für Müller in der 84. Minute gerade recht, um einen Tag zu krönen, den er "mit ins Bett" nimmt, wie er später im Überschwang der Gefühle sagt. 4:2 gewonnen und im 272. Bundesligaspiel zum 100. Mal getroffen: Müller hat in der ewigen Torjägerliste der Bundesliga nur noch 50 aktuelle und ehemalige Kollegen vor sich.

Alle Mannschaften der Woche:

Autor: Jörg Hausmann