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Die Mannschaft der Woche des 17. Bundesliga-Spieltags

Wer am 17. Spieltag auffiel

Die Mannschaft der Woche des 17. Bundesliga-Spieltags

18 Vereine, neun Partien, mindestens 198 Spieler: Wer hat an diesem Bundesliga-Spieltag von sich reden gemacht? Wir sagen es Ihnen und stellen Ihnen die Elf der Woche vor. Packender, dramatischer und verrückter war der Jahres- und Hinrundenausklang der Bundesliga kaum denkbar. Es verwundert nicht, dass beinahe jeder der erwähnten Protagonisten an irgendeinem Drama beteiligt gewesen ist. 

Tor:

Ron-Robert Zieler (VfB Stuttgart): Hätte sein Gegenüber Sven Ulreich nicht in der Nachspielzeit des Süd-Klassikers in Stuttgart seinen frisch erworbenen Ruf als Elfmetertöter eindrucksvoll untermauert, wäre Ron-Robert Zielers tadellose Leistung gegen den haushohen Favoriten aus München sogar mit einem Punkt belohnt worden. So aber bringen die Bayern in der 65. Minute für den  Rekord-Einkauf der Liga, Corentin Tolisso, den unvergleichlichen Thomas Müller. 14 Minuten später schießt Müller so hart und platziert ins kurze Eck, dass Zieler - aus Bayern-Sicht - endlich chancenlos ist. Der eine Weltmeister entscheidet gegen den anderen eine Partie, die der VfB bis in die Nachspielzeit offen hält. Dann aber scheitert Chadroc Akolo wie schon in der siebten Minute an Ulreich. Der langjährige Keeper der Schwaben beantwortet auf sportliche Art das unausgesetzte Pfeifkonzert jener Fans, denen er erstmals als Bayern-Torwart entgegentritt.

Abwehr:

Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach): Auch im Heimspiel gegen den HSV bestätigt Matthias Ginter zum Auftakt des finalen Spieltags der Hinrunde, wie übergangslos sich der 17 Millionen Euro teure Zugang aus Dortmund in Gladbach integriert hat. Ginter trifft zwar nicht ins Tor, so wie schon drei Mal, seitdem er ein Fohlen ist. Mit Abstand aber ist der Weltmeister der passsicherste Akteur auf dem Feld. 50 seiner 54 Zuspiele landen beim vorgesehenen Adressaten. Zweikampftechnisch überragen Ginter auch nur zwei Kollegen in den eigenen Reihen. Alles in allem abermals eine Bewerbung bei Bundestrainer Joachim Löw und 90 Minuten, die 17 Millionen Euro Ablösesumme zwar noch immer nicht zu einer Kleinigkeit werden lassen, aber verständlicher machen.

Naldo (FC Schalke 04): Wie lässt sich der Wahnsinn toppen? Indem er wiederholt auftritt. In der Bundesliga geht allmählich das Gerücht um, der Schiedsrichter lasse so lange spielen, bis Schalke doch noch einen Zähler auf sein Konto bringt. Nur drei Wochen nach dem Atem beraubenden 4:4 in Dortmund - wohlgemerkt nach 0:4-Rückstand - machen die Knappen bei Eintracht Frankfurt aus einem 0:2 in letzter Sekunde ein 2:2. Und wieder ist ihr Ältester zur Stelle, jagt mit Wucht und Willen die Kugel ins Netz: Naldo. Der 35-Jährige legt eine überragende Vorstellung hin, bleibt in Sachen Zweikampfquote unerreicht. Und auch, was die Passicherheit anbelangt, kommen nur mehr von Schalkes Ballverteiler Max Meyer mehr an. Naldos drei Saisontore haben Schalke in Summe fünf Punkte beschert.

Dominique Heintz (1. FC Köln): Kollege Christian Clemens sorgt nur vier Minuten nach seiner Einwechslung gegen den VfL Wolfsburg für Kölns historisches Tor, Dominique Heintz indes 90 Minuten lang dafür, dass Clemens' Tor letzten Endes zum ersten Saisonsieg des Schlusslichts reicht. Der erste Meister der Bundesliga schaut der 2. Bundesliga bereits in deren hässlich empfänglich geöffneten Schlund, wehrt sich aber noch gegen den schmerzhaften Absturz. Zum Ende der Hinserie fahren die Geißböcke unter Interimscoach Stefan Ruthenbeck endlich den ersten Dreier ein. Der Negativrekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66 bleibt im letzten Moment unangestastet. Der legendäre Hauptstadtklub behält - mit umgerechnet vier Punkten - die schlechteste Hinrunde der Bundesliga-Geschichte. Das liegt auch an Heintz. Der Manndecker gewinnt 69,23 Prozent seiner Zweikämpfe. Bestwert an diesem Nachmittag in Köln.Zudem kommen 36 seiner 44 Pässe an: Platz eins in der Kölner Defensive.

Julian Korb (Hannover 96): Es ist nie schön, einen Korb zu bekommen. Und ein Gegentor durch Korb zu bekommen, wenn nur noch sieben Minuten zu spielen sind und der Auswärtssieg zum Greifen nahe ist, ist hochgradig ärgerlich. Bayer Leverkusen bleibt zum zwölften Mal nacheinander in der Bundesliga ungeschlagen und verdient sich für diesen Lauf höchten Respekt. Trotzdem bleibt unter dem Strich eine zweimalige Führung in Hannover, die nicht zum Dreier gereicht hat. Kor, im Sommer aus Gladbach verpflichtet, sorgt in einem "Wahnsinnsspiel" für ein versöhnliches Ende für Aufsteiger Hannover. "Wir wollten alles reinwerfen", bilanziert Korb im "kicker", "und haben uns den Punkt erkämpft." Angesichts des "Spielverlaufs" sei das 4:4 "ein guter Abschluss" gewesen. Allerdings nur für Korb und seine Kollegen.

Mittelfeld:

Fabian Frei (1. FSV Mainz 05): Das Wortspiel muss sein: Weil Werder Bremen in der dritten Minute der Nachspielzeit Fabian Frei frei stehen und frei zum Schuss kommen lässt, nutzt Frei diese Freiheit. Sein später Ausgleich zum 2:2 setzt Emotionen frei. Ganz Mainz feiert spontan und vorgezogen Karneval an der Weser. Hätte Frei seine hervorragende Zweikampfbilanz (73,68 Prozent gewonnen) und Passquote (52 von 58 kommen zum Mitspieler) nicht mit seinem ersten Torschuss gekrönt, hätten die Mainzer auf dem Relegationsplatz Weihnachten und den Jahreswechsel verbracht. Sie hatten viel öfter den Ball als die Bremer, waren damit aber lange Zeit unübersehbar überfordert herzlich ungefährlich. Freis erstes Bundesligator, für das der Schweizer Nationalspieler 53 Einsätze gebraucht hat, befreit die 05er letztlich und belohnt deren Willen.

Thomas Müller (FC Bayern München): Zwei Bundesligatore sind für Thomas Müller binnen einer Hinrunde eine indiskutable Bilanz. Schlechter hat der Ober-Bayer nur im Vorjahr (ein Tor) abgeschnitten, und auch im ersten Halbjahr 2011/12 gelangen dem 28-Jährigen nur zwei Treffer. Doch immerhin vier Mal musste Müller während der Hinrunde 2017/18 verletzungsbedingt aussetzen. Er hat sich mit seinem satten Schuss zum Siegtor in Stuttgart nachdrücklich in Erinnerung gebracht. Bis zu jener 79. Minute bissen sich Müllers Kollegen am prima organisierten Aufsteiger und seinem aufmerksamen Torwart Ron-Robert Zieler die Zähne aus. Nur Müller gelingt es, Zieler zu überwinden. Weil Müller so schießt, wie nur Müller schießt: überraschend, aus unerwarteten Winkeln und - in diesem Fall - unhaltbar hart.

Thorgan Hazard (Borussia Mönchengladbach): Wer in Thorgan Hazard noch immer "nur" den um zwei Jahre jüngeren Bruder Eden Hazards sieht, der sieht Borussia Mönchengladbach höchstens gelegentlich Fußball spielen. Thorgan Hazard brilliert im Jahres-Abschlussheimspiel der Fohlen gegen den Hamburger SV mit Tor (Nummer sechs) und Vorlage (Nummer fünf). Nur Doppel-Torschütze Raffael schießt seitens der Gastgeber häufiger aufs Tor als Hazard, der für die Elf des 3:1-Siegers außerdem mit Abstand die meisten Zweikämpfe (35) zu führen hat. Als "Chancentod" bezeichnen nur noch Fans Hazard, die dem Belgier Böses wollen. Gladbachs bester Scorer der Hinserie ist auf dem besten Weg, bei der WM im kommenden Sommer in Russland nicht nur dabei zu sein, sondern eine zentrale Rolle im Team der so genannten "Roten Teufel" zu spielen.

Angriff:

Davie Selke (Hertha BSC): Hätte jemand Davie Selke vor Beginn der Saison gefragt, wie er sich seine Rückkehr nach Leipzig vorstellt, dann hätte er diese 90 Minuten sicher gerne genommen. Der Nationalstürmer entscheidet mit einem Doppelpack eine Partie, die seine neuen Farben mehr als 83 Minuten lang in Unterzahl zu betreiten haben. Jordan Torunarigha fliegt nur eine Minute nach Selkes erstem Streich (6.) vom Platz. Er hat gegen Leipzigs Turbo-Stürmer Timo Werner die berühmte Notbremse gezogen. Nicht nur Selke ackert fortan für Torunarigha mit. Vier Mal muss Selke insgesamt treffen, scheitert aber sowohl an RB-Keeper Peter Gulacsi als auch am Pfosten. In der 51. Minute aber versenkt er eine Ecke des zweimaligen Vorlagengebers Valentino Lazaro zum vorentscheidenden 3:0. Leipzig wirft später alles nach vorne, kommt auch noch zu zwei Treffern. Die aber reichen nicht mehr. Der aussortierte Selke haut sich voll rein, führt mit 43 Zweikämpfen die meisten aller Spieler und genießt sichtlich seine beiden Tore. Sein erstes feiert er mit einer provokanten Geste, die die Fans des Gastgebers erzürnt. Unnötig, solches Öl ins Feuer zu gießen. Doch Selke brennt in dieser Begegnung verständlicherweise besonders.

Alfred Finnbogason (FC Augsburg): In der Nachspielzeit gegen den SC Freiburg reißt Augsburgs isländischer Torjäger das letzte Heimspiel des Jahres für den FCA aus dem Feuer. Ohne Finnbogasons Dreierpack müsste dessen Pendant Nils Petersen in der Top-Elf des Spieltags stehen, und das völlig zu Recht. Ohne die Nachspielzeit und den famosen Finnbogason hieße der Matchwinner Petersen. Denn dessen Doppelschlag (und Freiburgs Drei-Tore-Assistenten Tim Kleindienst) egalisiert und übertrumpft Finnbogason in einem mitreißenden Schlusspurt. Das Verrückte daran: Finnbogason eröffnet den Torreigen bereits in der ersten Minute des Spiels und krönt es in der ersten und der dritten Minute der Nachspielzeit. Es ist bereits Finnbogasons zweites Drei-Tore-Spektakel der Saison nach dem 3:0 am 9. September 2017 über den 1. FC Köln. Auch damals traf Finnbogason sehr spät, sogar in der vierten Minute der Nachspielzeit. Respektable elf seiner 21 Bundesligatore hat das 28-jährige Nordlicht in der Hinrunde 2017/18 auf sein Konto gebracht. Finnbogasons Offensivkollege Michael Gregoritsch schießt noch ein Mal häufiger aufs Freiburger Tor (sieben Mal), gewinnt die meisten Zweikämpfe aller Akteure (21), aber das dessen neuntes Saisontor bleibt dem Österreicher verwehrt.

Leon Bailey (Bayer 04 Leverkusen): Leon Bailey bringt es anschließend auf den Punkt: "Man kann froh sein, wenn man so ein Spiel im Stadion sehen kann", zitiert der "kicker" Leverkusens verhinderten Matchwinner nach dem 4:4 in Hannover. 45 Minuten lang gehört Bailey zu den Zuschauern eines Spektakels, das so toll in diesen ereignisreichen Jahresabschluss der Bundesliga passt. Dann - beim Stand von 3:2 für Hannover - erhöht Bayer-Coach Heiko Herrlich mit der Hereinnahme Baileys für Sven Bender den Druck. Die Maßnahme fruchtet umgehend. Bailey sprintet in den Steilpass von Kai Havertz, 3:3. Die Rakete aus Jamaika zündet 20 Minuten später nach einer Ecke der Gastgeber ein zweites Mal. Kontertor zum 4:3. In der 72. Minute bietet sich Bailey die Chance, als Einwechselspieler einen Hattrick zu realisieren. Doch er vergibt die Chance, mit seinem siebten Bundesligator die Partie zu entscheiden. "Wir waren vor dem Tor nicht ausreichend fokussiert", ärgert sich der 20-Jährige anschließend über sich und seine Mitspieler. "Wir hatten so viele Möglichkeiten und hätten vorher alles klarmachen können." Vorher ist vor der 83. Minute, als es Julian Korb für Hannover ausnutzt, dass Leverkusen seine Chancen nicht ausgenutzt hat und es noch "nur" 4:3 steht. "Wenn ich meine dritte Chance genutzt hätte, wäre alles vorbei gewesen", klagt Bailey. So nutzt Korb seine erste an diesem denkwürdigen Nachmittag.

Alle Mannschaften der Woche:

Autor: Jörg Hausmann