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Die Mannschaft der Woche des 16. Bundesliga-Spieltags

Wer am 16. Spieltag auffiel

Die Mannschaft der Woche des 16. Bundesliga-Spieltags

18 Vereine, neun Partien, mindestens 198 Spieler: Wer hat an diesem Bundesliga-Spieltag von sich reden gemacht? Wir sagen es Ihnen und stellen Ihnen die Elf der Woche vor. Bayern Münchens Torjäger Robert Lewandowski gelingt Historisches, und Dortmund gewinnt endlich wieder, kaum, dass der neue Trainer Peter Stöger heißt. Zwei seiner Jungs rutschen in die Topelf. Und Hannovers Albtraum hat wieder zugeschlagen.

Tor:

Lukas Hradecky (Eintracht Frankfurt): Als der HSV im zweiten Durchgang vehement auf den Ausgleich zum 2:2 drückt, steht Frankfurts Fels fest in der Brandung, sprich: in seinem Tor. Lukas Hradecky zeigt in der 50. Minute gegen Hamburgs Entdeckung Jann-Fiete Arp eine herausragende Reaktion und ist auch kurz danach nur durch Dennis Diekmeiers Abseitstor zu überwinden. Schon im vergangenen Sommer war über einen Abgang Hradeckys, dessen Wurzeln in der Slowakei liegen, der aber Finne ist, laut und lange spekuliert worden. Inzwischen aber spielt der Nationalkeeper nicht nur beim Pokalfinalisten, sondern bei der besten Auswärtsmannschaft der Bundesliga.

Abwehr:

Peter Pekarik (Hertha BSC): Der slowakische Routinier in Reihen der Hauptstädter gehört weder zu den Lauten der Liga noch zu denjenigen, die wöchentlich im Rampenlicht stehen. Peter Pekarik versieht lieber solide und zuverlässig seinen Job. Nach seinem Auftritt daheim gegen Hannover aber ist der 31-Jährige zu Recht herauszuheben. Das liegt nicht nur an seinem ersten Assist in der laufenden Saison. Pekarik bereitete sehenswert Salomon Kalous 1:0 in der 18. Minute vor. Seine letzte Torvorlage lieferte Pekarik am 18. September 2016 beim 2:0 daheim über Schalke. Auch damals war es das 1:0, das seinerzeit Mitchell Weiser gelang. Weiser ist auch gegen Hannover ein Garant des Berliner Erfolgs. Doch Pekarik nicht minder. Im Gegenteil. In der ersten Halbzeit verliert der Verteidiger keinen Zweikampf und über 90 Minuten keines seiner Luftduelle. Beeindruckender lässt sich Hoheit kaum dokumentieren.

Sokratis Papastathopoulos (Borussia Dortmund): Es hat den Anschein, dass Sokratis in seinen Führungstreffer in der 55. Minute in Mainz den ganzen Frust über die Negativserie des BVB und die daraus resultierende Entlassung von Cheftrainer Peter Bosz gelegt hat. Im Debütspiel des Bosz-Nachfolgers Peter Stöger löst der zuverlässige Grieche mit seinem Knaller in die Maschen des Mainzer Tores den Knoten. So kompromisslos, wie Routinier Sokratis gewohnterweise seine Zweikämpfe führt und gegen seine Kontrahenten vorgeht, so kompromisslos jagt der beim 2:0-Erfolg die vom Pfosten abgeprallte Kugel zum 1:0 ins Netz.

Robin Koch (SC Freiburg): Der lange Pass kommt von Robin Koch. Der Ball ist lange untwerwegs Richtung Gladbacher Strafraum. Dort angekommen, will SC-Torjäger Nils Petersen mit ihm an Jannik Vestergaard vorbei. Der Däne aber bringt den früheren Bayern-Stürmer zu Fall. Es braucht zwar den Videobeweis und eine gefühlte Ewigkeit, ehe Petersen am Elfmeterpunkt zur Ausschreitung schreitet und in der 20. Minute das Tor des Tages erzielt. Koch aber hat die entscheidende Szene des Abends eingeleitet und nicht nur in diesem Moment für den Ausbau der Freiburger Erfolgsserie gesorgt. Der Sohn der Lauterer Legende Harry Koch weist in seinem achten Bundesligaspiel die auf diesem Niveau verlangte Reife so nachhaltig wie nie zuvor nach. Er stoppt die Gladbacher Angriffe, wo er kann und beweist anschließend Ruhe und Übersicht im Spielaufbau.

Marcel Halstenberg (RB Leipzig): Nationalspieler zu werden, ist eine Herausforderung. Diesen Traum hat sich Marcel Halstenberg erfüllt, und das sogar im Londoner Wembleystadion. Nun gilt es, diesen Status zu bestätigen und zu festigen, zu zeigen, dass Bundestrainer Joachim Löw mit dem Leipziger die richtige Wahl getroffen hat. Auftritte Halstenbergs wie jener in Wolfsburg kommen insofern RB, Halstenberg und dem Bundestrainer sehr gelegen. Immerhin biegt die Saison im kommenden Sommer Richtung WM in Russland ab. Halstenberg jagt im Fallen den Ball in der 52. Minute zum längst fälligen Leipziger Tor ins Wolfsburger Gehäuse. Die Überlegenheit der Sachsen schlägt sich bis dahin in der Anzahl ihrer Treffer nicht nieder. Statt dessen führt bis zur 52. Minute eine Wolfsburger Elf, die ironischerweise zum Leben erwacht, als Halstenberg erfolgreich gewesen ist. Doch hinter Halstenberg verrichtet mit Peter Gulasci ein Meister seines Fachs seinen Dienst. Und dies so gut, dass Halstenbergs Tor dem Tabellen-Zweiten der Bundesliga letzten Endes einen hochverdienten Punkt sichert.

Mittelfeld:

Nicolas Höfler (SC Freiburg): Das Freiburger Eigengewächs - Nicolas Höfler kam 2005 als 15-Jähriger in die legendäre Fußballschule der Breisgauer - ist daheim gegen Mönchengladbach Abfangjäger und Aufbauspieler in einer Person. Die Badener üben beim 1:0-Erfolg wirkungsvoll Druck auf die Borussia aus und ersticken deren Offensivbemühungen häufig im Keim. Höfler personifiziert dieses taktische Vorgehen und dessen Erfolg. Gegen Hannover und gegen Hoffenheim krönte Höfler seine Vorstellungen jeweils noch mit einer Torvorlage. Diesmal nicht. Trotzdem trumpfte Höfler in dieser Spielzeit bislang nie nachhaltiger auf als gegen Gladbach.

Marius Wolf (Eintracht Frankfurt): Nach einer schweren Schulterverletzung hat sich Energiebündel Marius Wolf zurückgekämpft in Eintracht Frankfurts Stammelf: Seit dem fünften Spieltag hat der frühere Münchner Löwe, der vergangene Saison in Hannover auf dem Abstellgleis zweite Mannschaft gelandet war, keine Partie mehr verpasst. Wolfs Ausgleich zum 1:1 in Hamburg ist schon dessen dritter Treffer in der laufenden Saison. Mit Biss und Courage hilft Wolf mit, Frankfurts fünften Sieg im neunten Auswärtsspiel der Hinrunde zu sichern.

Shinji Kagawa (Borussia Dortmund): Shinji Kagawa bei der Arbeit zuzuschauen, ist für jeden Fußball-Ästheten in der Regel ein Genuss. Wenn der quirlige, dribbelstarke und technisch beschlagene WM-Kandidat seine Trickkiste öffnet, haben dessen Gegner reihenweise das Nachsehen. In Mainz führt Kagawa nicht sein komplettes Repertoire vor, treibt aber fließig an. In der 89. Minute verwertet der Japaner, den der BVB vor sieben Jahren in Osaka entdeckte, die exzellente Vorarbeit Pierre-Emerick Aubameyangs zum 2:0 für die darbenden Schwarz-Gelben veredelt. Kagawa empfiehlt sich damit bei seinem neuen Trainer Peter Stöger. Anzunehmen aber ist, dass Stöger ein Empfehlungsschreiben Kagawas tatsächlich nicht nötig hat.

Angriff:

Salomon Kalou (Hertha BSC): Zum fünften Mal kreuzt Salomon Kalou mit Hannover 96. Und zum sechsten Mal bereits trifft der Star von der Elfenbeinküste gegen die Niedersachsen. Von einem Lieblingsgegner ist dann gerne die Rede, oder - aus Sicht des Verlierers - von einem personifizierten Albtraum. Kalou stellt mit seinem Doppelpack zum 2:0 bereits in den ersten 45 Minuten für die Hertha die Weichen auf Heimsieg. Es sind nicht nur seine Treffer fünf und sechs gegen den Aufsteiger, sondern auch seine Saisontore fünf und sechs. Der letzte Doppelpack Kalous - der in Wahrheit ein Dreierpack war - datiert vom 4. November 2016. Damals hieß es für die Berliner 3:0 daheim über Borussia Mönchengladbach. Seit dem Kick gegen Hannover übrigens hat Kalou ein Mal häufiger in der Bundesliga gespielt (98 Mal) als für sein Land.

Robert Lewandowski (FC Bayern München): Seitdem Robert Lewandowski für den FC Bayern München spielt, lässt der Pole Rekorde in schöner Regelmäßigkeit purzeln. Beim überraschend mühevollen 1:0 des überlegenen Tabellenführers über das weit abgehängte Schlusslicht der Bundesliga kommt einer hinzu. Siegtorschütze Lewandowski dringt mit seinem 166. Bundesligatreffer ein in den illustren Kreis der Top Ten der Bundesligatorjäger. 74 Mal hat Lewandowski für den BVB getroffen, 92 Mal für den FC Bayern. In der laufenden Saison schraubt der Kapitän der polnischen Nationalmannschaft seine Ausbeute auf beeindruckende 15 Treffer in 16 Begegnungen. Jeder vierte Torschuss des Ausnahmeangreifers mit dem ausgeprägten Ego findet sein Ziel. Vier Mal ging Lewandowski 2017/18 bisher leer aus. Zwei Mal davon hieß der Sieger nach 90 Minuten nicht Bayern München.

Mark Uth (TSG 1899 Hoffenheim): Nur Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang und Kevin Volland sind in der laufenden Saison torgefährlicher als Mark Uth. Der gebürtige Kölner spielt sein bestes Bundesligajahr. Es ist sein drittes. Und alle für die TSG 1899 Hoffenheim. Er hat bereits acht Mal getroffen. Im Derby gegen den VfB Stuttgart sichert Uth in der 81. Minute den Heimsieg der Kraichgauer. Die werden ihm nachweinen. Denn im Sommer läuft Uths Vertrag aus. Der 26-Jährige weiß um das Interesse an seiner Person, im In- wie im Ausland. Elf Tore in drei Wettbewerben bleiben außerhalb der eigenen vier Wände schwerlich unbemerkt. Uths Verbleib beim Champions-League-Qualifikanten gilt praktisch als ausgeschlossen. Was aber von ihm bleiben wird, sind Tore, die den Hoffenheimern bis zum WM-Sommer noch ganz viel helfen werden.

Alle Mannschaften der Woche:

Autor: Jörg Hausmann