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Die Mannschaft der Woche des 15. Bundesliga-Spieltags

Wer am 15. Spieltag auffiel

Die Mannschaft der Woche des 15. Bundesliga-Spieltags

18 Vereine, neun Partien, mindestens 198 Spieler: Wer hat an diesem Bundesliga-Spieltag von sich reden gemacht? Wir sagen es Ihnen und stellen Ihnen die Elf der Woche vor. In ihrem Tor steht ein überraschender Rückkehrer, in ihrer Abwehr ein Kandidat für Joachim Löw, und ein verdienter Olympionik hat gleich drei Mal zugeschlagen. In Köln gehen deshalb die Lichter aus.

Tor:

Tom Starke (FC Bayern München): Der alte Mann und das Tor: Tom Starke befindet sich offiziell im Ruhestand und kümmert sich mit um die Torleute beim FC Bayern München. Weil Manuel Neuer sich aber in der laufenden Saison nur langsam von einem Fußbruch aus der Vorsaison erholt, muss Starke immer noch bereitstehen. Und mehr als das. Sven Ulreich wärmt sich vor dem Bundesliga-Klassiker in Frankfurt auf. Dann aber streiken die Adduktoren des früheren Neuer-Stellvertreters. Plötzlich ist der 36-Jährige Starke wieder gefragt. Und dank des Drucks, den die Platzherren ausüben, gleich mittendrin. In der siebten Minute zwingt Ante Rebics Freistoß Starke zu dessen erster Tat. In der 25. Minute versucht es Rebic ein zweites Mal erfolglos. In der 40. Minute - seit 20 Minuten führen die Bayern mit 1:0 - ist Starke bei einem Freistoß von Jetro Willems auf dem Posten. Ein "Rentner" rettet die Bayern, titelt die "Welt" anschließend treffend. Starke, der erst zum neunten Mal in seiner sechsten Bayern-Saison in der Bundesliga spielte, muss sich für solche Notfälle weiter fit halten.

Abwehr:

Theodor Gebre Selassie (SV Werder Bremen): Die Statistiken des tschechischen Nationalspielers Theodor Gebre Selassie sprechen in Dortmund eine klare Sprache: Gebre Selassie, der an Heiligabend seinen 31. Geburtstag feiern wird, führt die meisten Zweikämpfe auf dem Spielfeld und gewinnt auch die meisten. Mannschaftsintern ist beim verdienten 2:1 bei den Krisen-Borussen nur Max Kruse noch häufiger mit dem Ball in Kontakt als sein verteidigender Kollege. Ein Mal schießt Gebre Selassie auch aufs Tor - und trifft. Gebre Selassie entscheidet die Begegnung in der 65. Minute. Es ist sein erstes Bundesligator, seitdem er am 13. Mai 2017 gegen Hoffenheim daheim beim spektakulären 3:5 eine letztlich erfolglose Aufholjagd der Grün-Weißen eingelietet hatte.

Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach): Der aus Dortmund für satte 17 Millionen Euro verpflichtetet Matthias Ginter bleibt im Mönchengladbacher Trikot unbeirrt auf WM-Kurs. Der Weltmeister empfiehlt sich praktisch wöchentlich für einen Platz im Kader des Titelverteidigers. Drei Mal bereits hat Ginter in der laufenden Saison ins Tor des Gegners getroffen. Im Heimspiel gegen Schalke fügt der Freiburger Zögling seinem Konto den ersten Assist seit dem 8. November 2015 vor. Auch damals ist es ein Heimspiel gegen Schalke, auch damals ist es das 1:0, Ginter aber spielt noch für die andere Borussia, die aus Dortmund, und somit in jenem Herbst in einem der brisanten Revier-Derbys. Anders als damals, als Ginter auch noch ein Tor gelingt, bleibt es diesmal beim Assist. Trotz zwei Torschüssen. Dafür weist auf Gladbacher Seite niemand eine bessere Zweikampfquote auf als Ginter.

Jerome Boateng (FC Bayern München): Das direkte Aufeinandertreffen mit seinem Halbbruder Kevin-Prince treibt Weltmeister Jerome Boateng in der Abwehr des Rekordmeisters in eine Leistung, die die Fans von Jerome Boateng gewohnt sind und insofern erwarten. Doch erst zum siebten Mal steht der 29-Jährige für die Bayern in der Bundesliga in der laufenden Runde auf dem Platz. Verletzungsbedingt hat der routinierte Abwehr-Hüne seit der EM 2016 nur 20 von 49 möglichen Bundesliga-Partien bestritten. Nicht zu vergessen: Im vergangenen Sommer war Boateng so gefrustet, dass er München beinahe verlassen hätte. Davon ist der Ablösung von Carlo Ancelotti durch Jupp Heynckes keine Rede mehr. Boateng findet - siehe das 1:0 in Frankfurt - zu alter Klasse zurück. Aber es braucht Geduld.

Philipp Max (FC Augsburg): Dass die WM in Russland mit Philipp Max stattfindet, wird immer wahrscheinlicher. Anders gesagt: Bundestrainer Joachim Löw kann die stetige Aufwärtsentwicklung des Augsburger Antreibers auf Dauer nicht übersehen. Ist dem so, dann widerführe Max junior jenes Glück, das seinem Papa Martin trotz des fleißigen Erzielens von Bundesligatreffern 2002 verwehrt blieb: die Teilnahme an einer WM-Endrunde. Dass der FCA sein Heimspiel gegen Hertha BSC nicht gewinnt, liegt nicht an Max. Der 24-Jährige inszeniert gegen die Hauptstädter Angriff auf Angriff über seine linke Seite. In der 74. Minute endlich verwertet der ebenso eifrige Caiuby Max' Vorlage zur Führung. Es ist bereits Max' achter Assist in der laufenden Spielzeit. Damit ist der frühere Karlsruher der Vorlagen-König der Liga. Schwacher Trost indes, weil die Berliner durch Salomon Kalou in der ersten Minute der Nachspielzeit noch zu einem glücklichen Punkt kommen.

Mittelfeld:

Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach): Viele Fans und Beobachter beruhigt es, wenn Weltmeister Christoph Kramer an einem Spieltag ausnahmsweise mal nicht wegen eines beschädigten Kopfes Schlagzeilen schreibt. Der Pechvogel wird seit seinem ebenso brutalen wie legendären Knockout aus dem WM-Endspiel 2014 regelmäßig im Gesicht getroffen und mehr oder minder schwer verletzt. Gegen Schalke schaltet Kramer in der 23. Minute schnell und drückt am langen Pfosten Matthias Ginters Vorlage akrobatisch ins Tor. Kramer wartete nicht weniger als drei Jahren, genau seit dem 17. Dezember 2014, als er beim 4:1 daheim gegen Bremen das 3:1 erzielte, auf einen Treffer in der Bundesliga. Wermutstropfen: Den Ausgleich der Schalker bereitet Kramer in der 62. Minute insofern vor, als er sich von Daniel Caligiuri vernaschen und den Deutsch-Italiener nach innen flanken lässt. Dort besorgt dann Kramers unglücklicher Kollege Jannik Vestergaard mit seinem langen Bein per Eigentor den Rest.

Arturo Vidal (FC Bayern München): Ein Krieger wird zum Jäger, zum Torjäger: Arturo Vidal steigt zum Schützen des Goldenen Tores des FC Bayern beim Süd-Klassiker in Frankfurt auf. Angesichts der Bilanz des Chilenen in den vergangenen Wochen ist das alles andere als ein Zufall. Er trifft im vierten aufeinanderfolgenden Bundesliga-Match und insgesamt schon zum fünften Male in der laufenden Saison. Damit hat Vidal seine Vorjahresausbeute (vier Tore) bereits nach 15 Spieltagen überboten. Sein torgefährlichstes Jahr hatte Vidal 2010/11 in Leverkusen. Damals traf der kampfeslustige Mittelfeldaufräumer zehn Mal. Sein Trainer hieß, wie heute, Jupp Heynckes.

Maximilian Eggestein (SV Werder Bremen): Noch gehört Maximilian Eggestein zu den unbekannteren Gesichtern der Liga, obwohl der U-21-Nationalspieler bereits seit drei Jahren auf der großen Bühne mitmischt. Gemeinsam mit seinem anderthalb Jahre jüngeren Bruder Johannes steht Maximilian für die Hoffnung auf eine entspanntere Bremer Zukunft. Und wie so üblich an der Weser, entstammen die Eggesteins der vereinseigenen Zucht. Maximilian fällt in seinem immerhin schon 60. Bundesligaspiel in Dortmund mit einem Tor auf, das Arjen Robbens Handschrift trägt. Eggestein verwandelt mit dem linken Fuß technisch perfekt vom rechten Strafraumeck aus. Dieses 1:0 leitet in der 26. Minute einen Auswärtssieg ein, der für BVB-Coach Peter Bosz zum finalen sportlichen Sargnagel wird. Eggestein muss das egal sein. Er muss im Kampf um den Klassenerhalt alleine an den Klub denken, für den er seit seinem 14. Lebensjahr spielt.

Angriff:

Sehrou Guirassy (1. FC Köln): Für Sehrou Guirassy läuft's. Für seinen Klub indes gar nicht. Guirassy ist der Torjäger des 1. FC Köln, der nicht nur derzeit, sondern seit 1963 schlechtesten Bundesliga-Mannschaft, die es nach 15 Spieltagen gegeben hat. Guirassy hat vier der neun Treffer der Geißböcke markiert. Zu mehr als einem Punkt auf Schalke aber haben sie nicht gereicht. Die persönliche Tragik Guirassys setzt sich im Schneetreiben gegen Freiburg fort. Das so genannte "Sechs-Punkte-Spiel" geht für den FC famos los. Lukas Klünters 1:0 nach nur acht Minuten folgt Guirassys Auftritt nach einer Viertelstunde: Freiburgs Kapitän Julian Schuster stoppt den Franzosen im Strafraum regelwidrig. Guirassy übernimmt die Verantwortung selbst, ortet unter der Schneedecke den Elfmeterpunkt und erhöht auf 2:0. In der 54. Minute hat Guirassy gegen Freiburgs aufmerksamen Keeper Alexander Schwolow das 4:1 auf dem Fuß, scheitert aber. Der letzte Akt des Dramas in der Nachspielzeit. Deren vierte Minute läuft. Inzwischen steht es 3:3. Köln wackelt wie zwei Wochen zuvor Dortmund gegen Schalke. Damals wurde aus einem 4:0-Vorsprung des BVB ein 4:4. In Köln spielt Guirassy den Ball im eigenen Strafraum zur Unzeit mit der Hand. Noch dazu komplett unnötig. Nils Petersen, von Beruf ebenso Torjäger, schlägt dankend per Elfmeter zu. Zum dritten Mal an diesem gebrauchten Tag für einen 1. FC Köln, der nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu retten sein wird.

Nils Petersen (SC Freiburg): Seit dem elften Spieltag muss der SC Freiburg auf seinen verletzten Torjäger Florian Niederlechner verzichten. Seitdem liegt vor des Gegners Kasten die Hauptlast auf den Schultern des eigentlichen Edeljokers Nils Petersen. Von Petersen wird erwartet, dass er trifft. Und der mittlerweile 29-Jährige liefert. Mit seinem Dreierpack im Kölner Schneechaos hat Petersen Niederlechner in der laufenden Saison überholt und gleich mal um drei Tore abgehängt. Petersen, der aus Rio de Janeiro vor Jahresfrist die Torjägerkrone und olympisches Silber mit nach Hause brachte, hat somit in den beiden höchsten deutschen Ligen inzwischen 104 Mal getroffen. In Köln schnürt Petersen bereits den vierten Dreierpack seiner Profi-Laufbahn. Unerreicht bleiben allerdings seine vier Tore am 5. März 2011 für Cottbus in der 2. Bundesliga beim 5:0-Kantersieg in Paderborn.

Leon Bailey (Bayer 04 Leverkusen): Bayer 04 Leverkusen muss längst keinem seiner Fans oder ahnungslosen Journalisten erklären, warum der Klub in der Winterpause 2016/17 einen jamaikanischen Angreifer aus der belgischen Liga an Land gezogen hat. Der FC Chelsea bereitet angeblich ein Kauf-Angebot in Höhe von fast 23 Millionen Euro vor. Leverkusen hat bereits dankend abgewunken und Bailey für unverkäuflich erklärt. Aus bestem Grund. Der technisch versierte und schnelle Nationalspieler aus der Karibik ist in der laufenden Saison ein Leistungsträger der Elf von Chefcoach Heiko Herrlich und somit ein Garant des Erfolgs des Trainer-Novizen in der Bundesliga. Wie schon beim 3:0 gegen den Hamburger SV am sechsten Spieltag, legt Bailey auch in Stuttgart zwei Tore auf. In diesem Fall für seine Kollegen Kai Havertz und Lars Bender. Trotz eines viel versprechenden Schussversuchs in der dritten Minute, reicht es für einen eigenen Treffer Baileys diesmal nicht. Das 20-jährige Talent bleibt bei vier Toren in seiner ersten kompletten Bundesligasaison. Assists und Tore zusammengenommen, ergibt das für Bailey in der so genannten Scorer-Liste der Bundesliga nach 15 Spieltagen einen sehr guten zwölften Platz.

Alle Mannschaften der Woche:

Autor: Jörg Hausmann