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Die Mannschaft der Woche des 14. Bundesliga-Spieltags

Wer am 14. Spieltag auffiel

Die Mannschaft der Woche des 14. Bundesliga-Spieltags

18 Vereine, neun Partien, mindestens 198 Spieler: Wer hat an diesem Bundesliga-Spieltag von sich reden gemacht? Wir sagen es Ihnen und stellen Ihnen die Elf der Woche vor. Darunter sind ein Prügelknabe aus Dortmund und gleich vier, die bereits viel und langes Verltzungspech hatten. Nicht zu vergessen die beiden potenziellen Torschützen des Monats.

Tor:

Roman Bürki (Borussia Dortmund): Andere Kollegen mögen am 14. Spieltag der Bundesliga noch mehr und noch spektakulärere Rettungstaten gezeigt haben und damit aufgefallen sein. Der Torwart Borussia Dortmunds aber hat es sich nach Wochen der - durchaus berechtigten - Schelte und einigen unerklärlichen Patzern verdient, wieder mal lobend erwähnt zu werden. Das Remis in Leverkusen geht zu einem guten Teil auf die Kappe Roman Bürkis. Der Schweizer pariert bereits in der Anfangsviertelstunde zwei Mal: gegen seinen früheren Mannschaftskollegen Sven Bender und gegen Julian Brandt. Das mögliche 2:0 durch Charles Aranguiz in der 38. Minute vereitelt Bürki ebenfalls, hält seine Mannschaft im Spiel. Gleiches gegen den durchgebrochenen Kevin Volland. Er überwindet in der 72. Minute Bürki kein zweites Mal. Im Gegenzug gelingt dem BVB durch Andriy Yarmolenko der Ausgleich. Bürkis letzte Großtat ist in der 89. Minute gegen einen Freistoß des abermals auffälligen Leon Bailey zu bewundern.

Abwehr:

Holger Badstuber (VfB Stuttgart): Der zweikampfstärkste Spieler im Bremer Weserstadion setzt in der Schlussphase einer spannenden Begegnung alles daran, für den VfB Stuttgart mindestens noch diesen einen verdienten Punkt zu sichern. Doch Holger Badstuber findet beim Stande von 1:0 für den Gastgeber binnen vier Minuten erst in Werders Schlussmann Jiri Pavlenka seinen Meister (84.), um dann per Kopf etwas zu hoch zu zielen (88.). In der schwäbischen Deckungsreihe umgeben von den jungen und talentierten Kollegen Timo Baumgartl und Benjamin Pavard, hat sich Badstuber bis zu seiner finalen Offensive vornehmlich um das gefährliche Bremer Offensiv-Duo Max Kruse und Fin Bartels gesorgt. Kruses Tor zu egalisieren, gelingt Badstuber nicht. Sonst hätte er ähnlichen Beifall eingeheimst wie am zweiten Spieltag nach seinem Goldenen Tor daheim gegen Mainz.

Kyriakos Papadopoulos (Hamburger SV): Selten hat ein Neuzugang des Hamburger SV in den vergangenen Jahren derart schnell das Publikum auf seine Seite gezogen, sich derart schnell nicht nur integriert, sondern gar zum Vorzeige-Hamburger gemausert: Kyriakos Papadopoulos ist ein echter Vorkämpfer. Er ist so, er kann nicht anders. Ein Abwehrrecke, der wie aus der Zeit gefallen wirkt, wie aus den rauen 60er und 70er Jahren. Um den Gegner - wie in Freiburg - am Toreschießen zu hindern, braucht es "Zerstörer" wie Papadopoulos. Der SC beißt sich am griechischen Turm in der hanseatischen Brandung die Zähne aus. Ein 0:0 steht einem Abwehrspieler stets besser zu Gesicht als dessen stürmenden Kollegen.

John Brooks (VfL Wolfsburg): Sein Umzug aus Berlin nach Wolfsburg, also quasi an der ICE-Strecke entlang, sorgte im Sommer 2017 für Aufsehen. Nicht weniger als 20 Millionen Euro ließ sich der VW-Klub die Dienste des US-Nationalspielers John Brooks alleine an Ablöse kosten. Und dann passierte, was nicht passieren sollte: Brooks verletzte sich im DFB-Pokal schwer und fehlte dem VfL von Mitte August bis Ende Oktober. Erst am zehnten Spieltag feierte der Hüne auf Schalke sein Bundesliga-Debüt in Grün und Weiß. Seitdem hat Brooks nie mehr gefehlt. Und wenn der Manndecker immer so souverän auftritt wie beim 3:0 daheim über Mönchengladbach, wird er nie fehlen. Überragend seine Passquote und seine Zweikampfbilanz.

Rafinha (FC Bayern München): Sein Name wird nicht oft genannt, wenn es um die Stars beim FC Bayern München geht. Doch dort wissen sie den Beitrag und den Wert Rafinhas zu schätzen. Und auch der Brasilianer selbst zieht gehörig Selbstbewusstsein aus der Tatsache, bereits im siebten Jahr für den Rekordmeister zu kicken. Gegen Hannover gehört der frühere Schalker zum siebten Mal in der laufenden Saison zur Startelf - und weist während der 90 Minuten nach, warum. Er lässt defensiv nichts anbrennen und kurbelt offensiv das Spiel der Münchner immer wieder an. Mit seinen 32 Jahren wird es Rafinha 2017/18 voraussichtlich schaffen, mehr Bundesligaspiele für die Bayern als für Schalke auf sein Konto zu bringen.

Mittelfeld:

Amine Harit (FC Schalke 04): Es zeichnnet sich ab, dass die Schalker während und nach der WM auf Amine Harit gut werden aufpassen müssen. Der Marokkaner, der es kommendes Jahr in Russland mit Spanien, Portugal und dem Iran zu tun haben wird, gehört zu den besten Neuverpflichtungen dieses Bundesliga-Sommers. Zum zweiten Mal nacheinander, nach dem irren 4:4 im Revier-Derby zu Dortmund, gehört Harit zu den Schalker Torschützen. Er trifft zum zwischenzeitlichen 2:1 gegen das tapfere Schlusslicht aus Köln. Ein technischer Hochgenuss ist es, zu beobachten, wie der selbst erst 20-jährige Harit in jener Szene kunstfertig den gerade 17-jährigen FC-Hoffnungsträger Yann-Aurel Bisseck versetzt und ebenso gewandt wie gedankenschnell die Kugel an Keeper Timo Horn vorbei versenkt. Harits blitzgescheite Handlung genügt zwar nicht zum Heimsieg, wohl aber all ihren Beobachtern, um einzuschätzen, dass Schalke sich um Bewerber, die um Harits Hand anhalten, künftig nicht wird sorgen müssen.

Kevin-Prince Boateng (Eintracht Frankfurt): Er hat nicht gejubelt, der Kevin-Prince Boateng. Das gehört sich nicht für einen Berliner, der gerade im altehrwürdigen Olympiastadion seine alte Liebe traurig gemacht hat. Zudem ist es aus der Mode gekommen, sobald ein Spieler seinem früheren Verein mit einem Torerfolg weh getan hat. Boateng ist der passendste Mann, um der Hertha - bildlich gesprochen - den Dolch ins Herz zu stoßen und eine Heimniederlage beizubringen. Als der Halbbruder von Weltmeister Jerome Boateng rechtzeitig zum Saisonstart von der Ferieninsel Gran Canaria in die Bundesliga zurückkehrte, wussten viele nicht, was sie davon halten sollten. Niko Kovac schon, denn Frankfurts Trainer kennt Boateng als Berliner Landsmann und einstigen Nebenmann bestens. Boateng ist auf Anhieb ein Leader. Drei Mal hat er getroffen, immer auswärts, immer entscheidend. Seine drei Tore haben aus Gladbach, Hoffenheim und Berlin sieben Punkte entführt. Chapeau!

Kingsley Coman (FC Bayern München): Der Franzose gehört zu den Gewinnern der dritten Ära Jupp Heynckes beim FC Bayern München. Comans Kauf wurde noch unter Heynckes' Vorgänger Carlo Ancelotti beschlossen, und es zeichnete sich noch unter dem Italiener der Durchbruch Comans in dessen drittem Jahr an der Isar ab. Unter Heynckes' Führung blüht der schnelle und trickreiche WM-Kandidat erst recht auf. Daheim gegen Hannover braucht es Comans Wucht und dessen schnelle und gekonnte Umsetzung seines Vorhabens am Ball, um Hannovers sehr guten Tormann Philipp Tschauner zu bezwingen. Comans sehenswerter Treffer in der 67. Minute hat nicht nur das Zeug zum Tor des Monats, sondern erzielt - weil es das 2:1 ist - für die Bayern auch erlösende Wirkung. Sie gewinnen schließlich mit 3:1.

Angriff:

Serge Gnabry (TSG 1899 Hoffenheim): Ein Befreiungsschlag aus 45 Metern macht Leipzig in Sinsheim gegen Hoffenheim den Garaus. Das 3:0 ragt beim 4:0 der TSG 1899 heraus und wird seinem Schützen aller Voraussicht nach eine ARD-Medaille für das seit 1972 gekürte "Tor des Monats" einbringen. Viel wichtiger aber: Der Absender des genialen Balles, Serge Gnabry, atmet tief durch, hat er doch mit diesem und seinem Tor zum 2:0 ein wichtiges Lebenszeichen von sich gegeben. In alle Richtungen. Von den Bayern mit viel Hoffnungen und Vorschusslorbeeren ausgeliehen, plagt sich der U-21-Europameister seit Saisonbeginn mit Verletzungen herum. Ausweis dessen: Der Einsatz gegen Leipzig war erst sein fünfter überhaupt in der Bundesliga für die Kraichgauer, sein dritter in der Startelf. Durchgespielt hat er noch nie, getroffen zuvor auch nicht. Und jetzt gleich doppelt. Ist Gnabry gesund und willig, ist er eine Rakete und deshalb ja auch ein Bayern-Spieler. Doch der frühere Arsenal-Reservestürmer muss seine Verletzungsanfälligkeit ebenso loswerden wie die Angewohnheit, einen Tritt in den Allerwertesten zu benötigen, um derart aufzudrehen wie gegen Leipzig.

Sehrou Guirassy (1. FC Köln): Dass ihr bester Torschütze aus Frankreich kommt, kennen die Kölner schon. Voriges Jahr war jenes des Anthony Modeste. Zwölf der 19 FC-Tore hatte der nunmehrige Wahl-Chinese nach 14 Spieltagen im Gehäuse der Gegner versenkt. Anno 2017/18 sind es genau sechs. Und Modestes Landsmann Sehrou Guirassy, Pechvogel des Vorjahres mit ganzen sechs Einsätzen, ist mit drei Toren Kölns bester Schütze. Zwei davon erzielt Guirassy in Gelsenkirchen gegen den FC Schalke 04. Der FC sendet aus dem stockfinsteren Tabellenkeller mit seinem 2:2 ein Lebenszeichen, als bereits feststeht, dass es für den ehemaligen Erfolgstrainer Peter Stöger kein Überleben am Rhein geben wird. Hochskurril, dieser Samstag. Wenigstens nährt Guirassy die Hoffnung, verletzungsfrei dem 1. FC Köln geben zu können, was Verletzungen bisher verhindert hatten: Tore für die Rettung. Die soll und muss ohne Stöger gelingen. Angesichts von neun Punkten Rückstand zum Relegationsrang ein ambitioniertes Unterfangen.

Kevin Volland (Bayer 04 Leverkusen): Kevin Volland imitiert derzeit den legendären VW Käfer - indem er läuft und läuft und läuft und trifft und trifft und trifft. Nur in einer der jüngsten sechs Bundesligapartien trat der Nationalspieler nicht als Torschütze in Erscheinung. Sein 1:0 beim 1:1 gegen Borussia Dortmund ist bereits Vollands vierter Treffer nacheinander. Einen konstanteren und besseren deutschen Stürmer hat Bundestrainer Joachim Löw derzeit nicht in seinem WM-Perspektivkader. Volland ist schnell und aufmerksam und mit einem satten Schuss ausgestattet. Gegen den BVB beweist er all dieses Qualitäten. Nur ein aufmerksamer Roman Bürki im Kasten der Gäste verhindert in der 72. Minute, dass Volland bei seinem zweiten Durchbruch zum Doppeltorschützen und Helden für Bayer wird.

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Autor: Jörg Hausmann